Mehr als  200 Teilnehmende diskutierten aktuelle Herausforderungen zur Unternehmenssicherheit für Wirtschaft und Staat.

Geopolitische Spannungen, hybride Bedrohungen, Cyberangriffe und neue regulatorische Anforderungen verändern das Sicherheitsumfeld für Unternehmen nachhaltig. Wirtschaftsschutz ist längst mehr als der Schutz einzelner Unternehmensbereiche – er entwickelt sich zunehmend zu einer strategischen Führungsaufgabe und lebt vom engen Zusammenspiel zwischen allen Akteuren.

Am 24. Juni 2026 veranstaltete die ASW West e.V. unter dem Motto „Zwischen Geopolitik und Unternehmensrealität – Wirtschaftsschutz als Erfolgsfaktor“  den 21. NRW Sicherheitstag beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. Rund 200 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Sicherheitsbehörden, Wissenschaft und Politik kamen zusammen, um aktuelle Entwicklungen einzuordnen, Erfahrungen auszutauschen und neue Impulse für den Wirtschaftsschutz mitzunehmen.

Ein Tag im Zeichen des Wirtschaftsschutzes

Die Veranstaltung fand unter der Schirmherrschaft des Ministers des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul, statt, der den NRW Sicherheitstag auch persönlich begleitete und mit seinem Vortrag zur aktuellen Sicherheitslage in Nordrhein-Westfalen einen wichtigen Impuls setzte. Trotz hochsommerlicher Temperaturen bot der NRW Sicherheitstag beste Voraussetzungen für intensive Fachgespräche, neue Kontakte und einen offenen Austausch.

Unser herzlicher Dank gilt allen Referentinnen und Referenten, Teilnehmenden, Partnern und Sponsoren, die den NRW Sicherheitstag 2026 mit ihrer Expertise und ihrem Engagement bereichert haben.

Ein besonderer Dank geht an unseren Gastgeber, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), sowie an Frau Dr. von der Wiesche, Herrn Langerbeins und das gesamte Organisationsteam für die hervorragende Zusammenarbeit und die herzliche Gastfreundschaft. Ebenso danken wir unserem Moderator Henning Voß vom Verfassungsschutz des Innenministeriums NRW sowie Geschäftsführung der NRW-Sicherheitspartnerschaft für die professionelle und souveräne Begleitung durch den Veranstaltungstag.

Ein weiterer Dank gilt außerdem unserem Vorstandsvorsitzenden Christian Vogt, unserer Geschäftsführerin Britta Brisch,Petra Brinkmann und Julia Gun sowie dem gesamten Team der ASW West. Mit viel Engagement, sorgfältiger Planung und großem Einsatz haben sie die Organisation des NRW Sicherheitstags 2026 verantwortet und zu einem rundum gelungenen Veranstaltungstag beigetragen.

Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Impulse und Kernaussagen des NRW Sicherheitstags 2026.

Wissenschaft, Wirtschaft und Politik im Schulterschluss

Zum Auftakt machte Dr. Melanie von der Wiesche, Leiterin der DLR-Standorte West, deutlich, wie eng Forschung und Sicherheit heute miteinander verknüpft sind. Gerade in den Bereichen Kritische Infrastrukturen und Resilienzforschung werde sichtbar, dass Sicherheit nicht erst im Ereignisfall beginne, sondern bereits beim Verständnis zukünftiger Bedrohungen und der Entwicklung geeigneter Lösungsansätze.

In seiner Eröffnung betonte Christian Vogt, Vorstandsvorsitzender der ASW West, dass Unsicherheit zunehmend zum „New Normal“ geworden sei. Wirtschaftsschutz müsse deshalb breiter gedacht und ressortübergreifend gelebt werden. Neben einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Sicherheitsbehörden brauche es vor allem mehr Flexibilität und Agilität. Mit dem Begriff „Flexicurity“ beschrieb er den notwendigen Ansatz, Sicherheit und Anpassungsfähigkeit miteinander zu verbinden, um Unternehmen auf die komplexen Herausforderungen unserer Zeit vorzubereiten.

Wirtschaftsschutz beginnt mit gemeinsamer Verantwortung

Mit seinem Vortrag zur aktuellen Sicherheitslage in Nordrhein-Westfalen setzte Herbert Reul, Minister des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen, einen zentralen Impuls des Tages. Er machte deutlich, dass sich die Sicherheitslage in den vergangenen Jahren spürbar verändert habe. Politisch motivierte Kriminalität, Cybercrime und Extremismus verlagerten sich zunehmend in den digitalen Raum und stellen Staat und Wirtschaft gleichermaßen vor neue Herausforderungen. Er betonte, dass Sicherheit eine wesentliche Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftlichen Wohlstand sei. Einen hundertprozentigen Schutz werde es nie geben – entscheidend sei vielmehr, frühzeitig zu handeln. Wirtschaftsschutz braucht den Schulterschluss zwischen Staat und Wirtschaft und muss insbesondere auf Führungsebene, als strategische Aufgabe verstanden werden.

Neue Bedrohungen verstehen und wirksam begegnen

Mit der wachsenden Bedeutung von Desinformation setzte sich Prof. Dr. Hektor Haarkötter, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, auseinander. Er zeigte auf, dass gezielte Manipulationen von Informationen fester Bestandteil hybrider Bedrohungen geworden sind und klassische Maßnahmen zur Widerlegung von Falschinformationen allein nicht mehr ausreichen. Stattdessen müsse Resilienz bereits im Vorfeld gestärkt werden und digitale Medienkompetenz nachhaltig gefördert werden.

Anschließend gab Bodo Becker, Referatsleiter im Bundesamt für Verfassungsschutz, Einblicke in die aktuelle hybride Bedrohungslage Deutschlands. Er erläuterte, wie fremde Staaten digitale Angriffe, Spionage, Einflussnahme und Sabotage zunehmend miteinander verknüpfen und welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf Unternehmen haben. Gleichzeitig unterstrich er die wachsende Bedeutung eines ganzheitlichen Wirtschaftsschutzes und einer engen Zusammenarbeit zwischen Sicherheitsbehörden und Unternehmen.

Resilienz als strategische Aufgabe

Einen Blick auf die geopolitischen Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf Unternehmen warf Dr. Konstantinos Tsetsos. In verschiedenen Zukunftsszenarien zeigte er auf, wie internationale Machtverschiebungen, technologische Entwicklungen und eine zunehmend fragmentierte Weltordnung die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändern. Dabei machte er deutlich, die internationale Ordnung befinde sich in einem tiefgreifenden Wandel – mit unmittelbaren Auswirkungen auf Unternehmen und ihre strategische Ausrichtung. Sein Fazit: Unternehmen sollten Resilienz nicht als kurzfristige Reaktion verstehen, sondern als kontinuierliche strategische Aufgabe etablieren.

An diese Überlegungen knüpfte Generalmajor a. D. Wolfgang Gäbelein an. Er zeigte auf, dass sich das Gefechtsfeld der Zukunft grundlegend verändert und Verteidigungsfähigkeit längst nicht mehr ausschließlich Aufgabe staatlicher Institutionen sei. Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft müssten sich gemeinsam auf neue Bedrohungslagen einstellen. Besonders hob er die Bedeutung vernetzter Strukturen, dezentraler Lösungen und einer engen Verzahnung von Wirtschaftsschutz und nationaler Sicherheit hervor.

Unternehmen widerstandsfähig aufstellen

Wie entscheidend der Schutz Kritischer Infrastrukturen für die Resilienz Deutschlands ist, verdeutlichte Stefan Engelbrecht, Leiter Konzernsicherheit der RWE AG und Vorstandsmitglied der ASW West e.V.. Seine Botschaft war klar: Wer die Energieversorgung schützt, schützt zugleich die Funktionsfähigkeit unseres Landes. Positiv hob er hervor, dass sich insbesondere der Informationsaustausch zwischen Sicherheitsbehörden und Unternehmen im Bereich des Wirtschaftsschutzes in den vergangenen Jahren deutlich verbessert habe. Gleichzeitig warb er dafür, die Zusammenarbeit weiter auszubauen und Resilienz ganzheitlich zu denken.

Mit Blick auf die zunehmende Regulatorik zeigte Marius Wiersch von HiSolutions auf, dass Anforderungen wie NIS2, KRITIS-Dachgesetz oder CRA nicht isoliert betrachtet werden sollten. Vielmehr seien sie Anlass, Sicherheitsstrukturen nachhaltig weiterzuentwickeln. Sein Appell: Nicht einzelne Vorschriften abhaken, sondern organisatorische Resilienz schaffen.

Den Abschluss des Fachprogramms bildete Dr. Daniel Lichte, Leiter der Abteilung Resilienz- und Risikomethodik am DLR-Institut für den Schutz terrestrischer Infrastrukturen. Am Beispiel der Drohnenabwehr zeigte er auf, wie wichtig eine fundierte Bedrohungsbewertung für wirksame Schutzmaßnahmen ist. Neue Technologien eröffneten zahlreiche Möglichkeiten, stellten Unternehmen und Betreiber Kritischer Infrastrukturen zugleich jedoch vor neue sicherheitsrelevante Fragestellungen.

Unterschiedliche Perspektiven, ein gemeinsames Ziel: Alle Beiträge machten deutlich, dass Wirtschaftsschutz heute nur im engen Zusammenspiel von Staat, Wirtschaft und Wissenschaft gelingen kann. Resilienz entsteht nicht erst in der Krise – sie muss frühzeitig aufgebaut, kontinuierlich weiterentwickelt und als strategische Aufgabe verstanden werden.

Austausch, Vernetzung und neue Impulse

Neben dem Fachprogramm bot der NRW Sicherheitstag 2026 vielfältige Möglichkeiten zum persönlichen Austausch. Die Teilnehmenden nutzten die Pausen sowie die begleitende Ausstellung unserer Partner und Sponsoren, um sich zu aktuellen Entwicklungen im Wirtschaftsschutz zu informieren und neue Kontakte zu knüpfen. Auch NRW-Innenminister Herbert Reul nahm sich Zeit für einen Rundgang durch die Ausstellung und den persönlichen Austausch mit den Ausstellern.

Den Ausklang des Veranstaltungstages bildete ein gemeinsames BBQ auf der Terrasse des DLR-Casinos. Zuvor konnten interessierte Teilnehmende im Rahmen einer Geländeführung einen Blick hinter die Kulissen des DLR werfen. Bei sommerlichen Temperaturen wurden die Gespräche anschließend in entspannter Atmosphäre fortgeführt und vertieft.

Unser herzlicher Dank gilt allen Partnern und Sponsoren, die den NRW Sicherheitstag 2026 mit ihrer Unterstützung, ihrer Expertise und ihrer Präsenz bereichert haben.

Fazit: Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Der NRW Sicherheitstag 2026 hat gezeigt, dass Wirtschaftsschutz nur im engen Schulterschluss zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Sicherheitsbehörden und Politik gelingen kann. Die zentrale Botschaft des Tages lautete deshalb: Einen hundertprozentigen Schutz wird es nicht geben – entscheidend ist, frühzeitig zu handeln, Verantwortung zu übernehmen und Wirtschaftsschutz als Führungsaufgabe zu verstehen.

Merken Sie sich bereits jetzt den 3. Mai 2027 vor – wir freuen uns darauf, Sie beim nächsten NRW Sicherheitstag wieder begrüßen zu dürfen.

Eine Auswahl der Impressionen des NRW Sicherheitstags 2026 finden Sie in unserer Bildergalerie.

 

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